Opera House Gesamtansicht


Die 40 Etagen des Geschäftshauses „Coeur Défense” in Paris recken sich 158 m hoch in den Abendhimmel. In den Fenstern sind Hunderte von Büros, Schreibtischen, Computern zu sehen. Tausende von Menschen machen Feierabend und knipsen das Licht in ihren Büros aus. Soweit ein noch durchaus realistisches Schauspiel.

Doch dann ertönt Musik. Es ist die „Habanera” aus George Bizets Oper „Carmen”. Und plötzlich gehen einige Lichter wieder an, ... und wieder aus. Zuerst einige wenige, doch dann immer mehr und man erkennt, dass hier nicht mehr der Zufall Regie führt. Das An und Aus der Lichter in den Büros ist synchron zur Musik und zeigt Schriften, Animationen und schließlich sogar Filmszenen einer Balletttänzerin und Opernsängerin. Das Haus gibt es, doch die Handlung ist eine Illusion. Diesmal haben von Aichberger & Roenneke die Regie übernommen.

Wie haben wir das gemacht?

Das Gebäude haben wir eigentlich für unser Produkt „Alphapicture” aufgenommen - Näheres hierzu unter www.AlphaPicture.de. Die Idee, daraus einen Film zu machen, kam später.

Der ganze Film (Laufzeit: 4 min) basiert daher nur auf
4 Fotografien aus 2 verschiedenen Blickwinkeln:

Bild 1:
Opera House Bild 1  

Kamera: Mamiya 7
Objektiv: N 4,5 43 mm L


Bild 2:

Opera House Bild 2  

Kamera: Canon EOS 1N
Objektiv: EF 2,8 14 mm


Bild 3:
Opera House Bild 3  

Kamera: Mamiya 7
Objektiv: N 4,5 150 mm L


Bild 4:

Opera House Bild 4  

Kamera: Mamiya 7
Objektiv: N 4,5 43 mm L

Die Bilder wurden auf Fujichrome Velvia-Film aufgenommen und High-End mit 3000 dpi gescannt (Imacon Flextight-Scanner)

Die Bildbearbeitung

Die Bilder wurden in Adobe Photoshop bearbeitet. Unter anderem wurden Überstrahlungen und Reflexe entfernt. Endergebnis waren zwei Bilder, auf denen jeweils alle Fenster der Gebäude klar voneinander abgetrennt und beleuchtet waren.

Opera House Detail vor Retusche
Opera House Detail nach Retusche
Detail vor Retusche
Detail nach Retusche

Vorbereitung der Fenster

Um die jetzt hellen Fenster wieder gezielt dunkel zu bekommen, haben wir aus den Original-Fotos 9 Versionen für dunkle Fenster herausgezogen ...

Opera House dunkle Fenster

Auf einer Farbtafel ist definiert, mit welcher dieser
9 Versionen welches Fenster dunkel gemacht werden soll:

Opera Hosue Farbtafel

Ermittlung der Fensterkoordinaten

Um die Bilder der dunklen Fenster auf das Gebäude mappen zu können,müssen die Koordinaten eines jeden Fensters bekannt sein. Jedes Fenster definiert sich durch 4 Punkte, jeder Punkt durch einen X- und einen Y-Wert. Das Gebäude hat 40 Etagen. Sichtbar sind maximal 102 Fenster pro Etage. Das Ganze für 2 Kamerastandpunkte. Es waren also

2 x 40 x 102 x 4 x 2 = 65280

Werte aus den Originalbildern zu ermitteln und in eine Liste einzutragen. Von Hand ist das eine mühsame Angelegenheit. Daher haben wir ein Computerprogramm entwickelt, mit dem man die Koordinaten aus dem Originalbild direkt per Mausklick und Drag- und Drop aufnehmen kann. Zur Kontrolle legt das Programm ein Gitternetz über die Punkte.

Opera House Tool zum Bestimmen der Fensterkoordinaten

Das Animationsprogramm

Auch das eigentliche Animationsprogramm ist eine Eigenentwicklung.

Das Animationsprogramm für Opera House verfügt über einen Editor, mit dem Kamerabewegungen programmiert werden können. Zoom- und Schwenkgeschwindigkeiten, sowie Beschleunigungen und Abbremsen der Bewegungen sind ebenfalls einstellbar.

Start- und Endpositionen können in einem Vorschaufenster durch Ziehen mit der Maus bestimmt werden.

OperaHouse - Screenshot des Animationsprogrmms

Weiterhin ermöglicht der Editor die Definition dessen, was zu einem bestimmten Zeitpunkt auf dem Gebäude zu sehen sein soll. Im folgenden nennen wir diese Ebene „Content”.

Der „Content”

Der Content ist sozusagen ein eigener Film, der all das wiedergibt, was durch die erleuchteten Fenster auf dem Gebäude zu sehen ist.

Opera House - Original Videoframe (Kerstin Wodecki)

Für die Content-Erstellung wurden verschiedene Werkzeuge verwendet:

Content Werkzeug
Lichter gehen in einer bestimmten Zeitspanne aus Macromedia Director
Punkte tanzen im Takt zur Musik Macromedia Flash *)
Laufschrift Macromedia Director
Peakmeter Lingo / Marmalade Amplitude Xtra
Ballett Real-Dreh *)
Herz-/Vogel-Animation Adobe After Effects
Opernsängerin Real-Dreh *)
Nachspann Macromedia Director

*) Nachbearbeitung in Adobe Photoshop

Opera House - Content

Alle Content-Bilder haben die Auflösung 102 x 40 Pixel und eine Farbtiefe von 1 bit. Sie wurden in Adobe Premiere zunächst zu einem eigenen Filmchen zusammengeschnitten und wiederum als Einzelbilder exportiert. Diese Einzelbilder wurden vom Animationsprogramm als Vorlage für die Erzeugung der eigentlichen Filmbilder benutzt.

Das Compositing

Eine weitere Schwierigkeit bestand darin, dass von jedem Kamerastandpunkt zwei Aufnahmen exisitierten, die vor dem Export einzelner Filmbilder zu einem virtuellen großen Bild zusammengerechnet werden mußten. Da die zu unterschiedlichen Zeitpunkten aufgenommenen Bilder später wie ein einziges aussehen sollten, mußte die Telesicht mit Alphakanälen in die Weitwinkelsicht kopiert werden.

Einige Fenster der Gebäude sind noch dazu von anderen Gebäudeteilen, Bäumen oder Straßenlaternen verdeckt. Um die Fenster dahinter dennoch animieren zu können, ist für all diese Elemente eine weitere Masken-Datei notwendig:

Opera House Alphakanal für Vordergrundobjekte

Opera House Detail Vordergrund-Objekte

Das Rendering

Für die Berechnung jedes einzelnen Filmbildes muss das Animationsprogramm eine Reihe von Bildverarbeitungs-
schritten durchführen. Wegen der großen Datenmengen wurde ein schneller PC mit 1,5 GB Arbeitsspeicher verwendet.

Hier die Schritte des Renderings im Einzelnen:

für jede Szene:

Editoreinträge auswerten
- Benötigte Dateien in den Speicher laden
- Zoom oder Schwenk berechnen

für jedes Frame:
- Telesicht zeichnen

für jedes Fenster:
- entsprechende Farbe aus Content-Datei herauslesen

falls es dunkel gemacht werden soll:
- in der Farbtafel nachsehen, welche Version eines dunklen Fensters verwendet werden soll
- in der Liste der Koordinaten nachsehen, wo dieses dunkle Fenster hinkopiert werden soll
- dunkles Fenster kopieren

- Bildteile, die das Gebäude überdecken, darüber kopieren
- so erzeugtes Bild in Weitwinkelsicht kopieren
- daraus den berechneten Ausschnitt nehmen
- Bild exportieren

Der Bildexport erfolgt entweder in PAL-Auflösung oder im Panoramaformat 1996 x 576 Pixel (für Dataton Watchout).

Opera House Codefragment

Die so erzeugten Einzelbilder wurden wie in Adobe Premiere mit Blenden versehen, zusammengeschnitten und wieder als Einzelbilder exportiert.

Die Fertigstellung erfolgte je nach Verwendung in unterschiedlichen Systemen:

DVD Authoring: Spruce Conductor

Watchout: Aufrasterung in Adobe After Effects und Programmierung in Dataton Watchout

Quicktime und MPEG1-Codierung für CD-ROM / Internet:
Discreet Media Cleaner 5

Credits:

Fotografie: Michael von Aichberger Fotoassistenz: Thomas Künzel Darstellerin: Kerstin Wodecki Choreographie: Ulrike Schopf Kamera: Karina Schumann Grafik: Steffi Oberheim Pia Thöt Bildbearbeitung: Ruthild Seeliger Inga Mengel Ewa Kaczmarczyk-Schmitz Animation: Pia Thöt Postproduktion: Pia Thöt Daniel Strücker Musik: George Bizet "Habanera" aus der Oper "Carmen" Arrangement: Laurie Burgess Russell McNamara Paul Pritchard Idee, Konzept und Programmierung:Michael von Aichberger